Männer und Dämonen

Der Mann, den ich liebte.

Er war großartig. Warmherzig. Gütig. Er schenkte mir die Welt und zeigte mir das Licht. Von Zeit zu Zeit war er nicht da, aber jedes Mal, wenn wir uns wieder sahen, hüpfte mein Herz vor Freude. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir in seiner Nähe jemals etwas passieren könnte. Er schütze mich vor allem und spendete mir Wärme. Mein Leben bestand aus den hellsten Klängen, die je erklungen sind. Aber er steigerte die Freude meines Lebens um ein vielfaches. Mir war nie bewusst wie privilegiert ich war, diese Liebe zu erfahren. Erst später wurde mir klar, dass es auf dieser Welt so viele Menschen gab, die nie so geliebt wurden und deren Leben in Mol geschrieben wird. Durch die Liebe, die ich spüren durfte, war das unvorstellbar. Natürlich gab es Mol-Tage. Aber sie waren wie weggewischt, sobald ich seine starken Arme um mich spürte. Wir lachten viel. Die Tage waren selbst mit Regen, strahlend hell. Er brachte mir so viel bei. Über die Welt. Über mich. Über all die kleinen Wunder. Er prägte mich für eine lange Zeit und ich wollte ihn nie gehen lassen. Dasselbe versprach er mir. Es gab auch dunkle Momente. Konflikte, denen ich mich nicht stellen konnte. Nach denen ich mich zurückzog und nicht wieder wagte hervorzukommen. Ich war wie ein aufgescheuchtes Reh. Aber er entschuldigte sich, nahm mich wieder in den Arm, küsste mich und die Welt erklang wieder in Dur. Ich vertraute ihm, wie nie jemandem zuvor. Wie hätte er mich denn je verletzen können? Und das tat er auch nicht. Er war immer da, wenn ich ihn brauchte. Ich war der glücklichste Mensch in seiner Nähe. Und allein an ihn zu denken, hat meinen Tag verbessert.

Der Dämon, der mich brach.

Es war ein Dämon in einem Mann. Einen Dämonen, den ich zu spät erkannte. Es tarnte sich zu gut, dass ich mir der Gefahr nicht bewusst wurde. Vielleicht war ich auch zu naiv und geblendet von der Freundlichkeit, welche der Mann ausstrahlte. Der Mann lockte mich mit seiner Warmherzigkeit und seiner freundlichen Miene, nur damit der Dämon mich mit seinen haarigen Klauen packen konnte. Es verschlang mich nicht. Das wäre wohl zu einfach gewesen. Es hauchte mir seinen grausigen Atem ins Gesicht. Flüsterte mir ins Ohr, was es anstellen würde. Und ließ mich dann weglaufen. Ich versteckte mich vor dem Dämonen, aber vergaß wieder woher es kam. Dann kam der Mann und gab mir Zuneigung, Liebe und eine Schulter zum Ausruhen. Meine gehetzte Seele, flüchtete zu ihm und sog die Angebote auf, als ob mein Leben davon abhinge. Ich begleitete ihn ein Stück. Wir lachten viel. Er zeigte mir die Welt und gewann mein Vertrauen. Aber sobald das geschah, kroch der Dämon aus seinem Versteck und packte mich am Fuß und hob mich über sein offenen, fauligen, mit spitzen Zähnen besetzen Maul. Drohte an mich zu fressen, nur um mich dann wieder fallen zu lassen. Ich versteckte mich wieder und wartete auf den Mann, der mir ein Stück der Welt offenbarte. Wie lange meine getriebene, naive Seele, dieses Spiel mitmachte, kann ich nicht mehr sagen. Es waren Jahre für meinen Körper, Jahrzehnte für meine Seele. Und mindestens genauso lang würde, es für meine Seele dauern zu heilen. Der Mann tauchte immer wieder auf. In Begleitung des Dämonen. Und ich folgte ihm wieder. Bis ich mich losriss und dagegen ankämpfte, den Mann nicht mehr zu begleiten.
Er ist immer noch da. Nur den Dämonen sehe ich nicht mehr so häufig, aber ich weiß, dass es da ist. Ich spüre seine Anwesenheit und seine Gelüste nach meiner kranken Seele. Ich weiß, dass der Dämon meine Seele nie verspeisen wird, aber er will sie leiden sehen. Er will in meine gepeinigten Augen blicken, die Angst in meinem flachen Atem riechen und meine Tränen trinken. Nun halte ich Abstand. Ich glaube, ich bin klüger geworden. Verstecke mich vor dem Mann und seinem Dämon. Und halte nun Ausschau nach anderen Dämon, die sich an meiner Seele nähren wollen.

Der Mann, den ich liebe.

Ich hoffe, ich habe ihn gefunden. Den Mann, der bleiben wird. Der mich lieben wird, egal was passiert. Mein Leben war gut als ich ihn traf. Es spielte schon lange nicht mehr in Dur, aber man konnte auch keine Mol-Klänge vernehmen. Spielte überhaupt Musik? Ich war in einem Laufrad und erfüllte Aufgaben, die ich erfüllen musste, weil es verlangt wurde. Dann traf ich diesen Mann und wir unterhielten uns. Ich war froh, über die Abwechslung. Endlich etwas, das in violetten Farben strahlte und den Brauntönen, meines Lebens etwas Unerwartetes spendete. Ich war froh, dass ich es jemanden gab, der mir ein bisschen Hoffnung geben konnte. Und auf einmal liebte ich ihn. Er küsste mich am Abend vor meinem Haus. Die restliche Nacht begleitete mich ein naives Gefühl in der Brust. Ich hatte Angst. Große Angst. Hatte er einen Dämonen im Schlepptau, würde es mir den Rest meiner Kraft aussaugen, sodass ich alles beenden würde. Ich wartete vergeblich auf seinen Dämonen. Stattdessen zeigte er mir die schönsten Farben, die ich so lange nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Mich erreichten Töne, von denen ich geglaubt habe, sie nie wieder vernehmen zu können. Ich spürte Liebe und Geborgenheit in einem Ausmaß, welches mich zum weinen brachte. Verdiene ich überhaupt soviel Liebe? Ich habe es vergessen. Ich weiß nicht, womit ich diesen Mann in meinem Leben verdient habe. Warum er da ist. Wie er es mit meiner geschundenen Seele aushält. Aber er bleibt. Er hält mich im Arm. Und mit jeder Umarmung, jedem Kuss, jeder Liebesgeste, heilt er meine Seele ein kleines Stück. Ich werde nie wieder die alte werden. Aber meine Seele wird aus der Hölle des Todes auferstehen und wieder das Leben genießen. Und obwohl ich immer wieder Zuflucht darin suche, kommt er, nimmt mich an der Hand und führt mich in goldenes Licht. Er wirft mir nichts vor. Er versteht es auch nicht. Aber er ist da und hält mich. Wischt mir die Tränen aus dem Gesicht und zeigt mir wie ich Mol in Dur verwandel kann. Er zeigt mir, was wahre Liebe bedeutet. Er zeigt mir, dass er nicht gehen wird. Ich wollte weglaufen. Ihn allein lassen. Weil ich nicht geliebt werden möchte. Weil ich es nicht wert bin. Aber er hat mich nicht gehen lassen. Stattdessen taucht er mein Leben weiterhin in violette und goldene Töne. Spielt leise eine Melodie, die mir Freude bereitet. Ich weiß, dass es keinen Sinn ergibt, dass dieser Mann mich liebt. Und ich weiß, dass er mich dafür nur belächelt, weil er mich ansieht und seine Welt sieht. Ich weiß, dass er mich liebt. Ich weiß, dass er nicht gehen wird und das kein Dämon auftauchen wird. Aber es ergibt einfach keinen Sinn für mich, dass er mich so sieht. Dass er mich so liebt. Und trotzdem stehen wir nebeneinander am Anfang unseres Weges. Hand in Hand. Um den Rest zusammen zu bestreiten. Um Rast zu machen und die Wunder der Welt gemeinsam zu bewundern. Verbände anzulegen, um alte Wunden zu schützen.
Und obwohl meine Seele es mir nicht glauben kann, weiß ich, dass er der Mann ist. Der Mann, den ich liebe und lieben werde. Und er wird nicht einfach gehen.
Ich werde nicht wieder verlassen werden.
Es wird nicht wieder ein Dämon auftauchen.


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