Two of us

Der Tag an dem ich dich verlor war der dunkelste der Geschichte. Die Sonne wollte gar nicht erst auftauchen. Sie hatte sich hinter der Wolkendecke versteckt. Wie sehr ich sie beneidete. Jeder erwartete den Regen, welcher ausblieb, was die Stimmung noch mehr drückte. Denn wer konnte so ein graues Wetter gebrauchen, wenn dann der lang ersehnte Regen ausblieb. Regen, der der ausgetrockneten Erde nur Erholung spenden würde und auch den Menschen aus dem Ort.
Aber wie unwichtig mir all diese Sachen erschienen. Das einzige was meinen Tag bestimmte warst Du. Wie so oft. Jedoch war es an diesem Tag anders als sonst. Zwar konnte ich wieder nicht schlafen, aber nicht, weil ich nicht erwarten konnte dich am nächsten Tag zu sehen. Nein. Ich wusste es würde kein nächstes Mal geben. Ich würde mich nie wieder im Bett wälzen in freudiger Erwartung dich wiederzusehen. Es würde niemals wieder ein nächstes Mal geben. Es war vorbei. Ich wollte nicht einschlafen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, mich in die sanften Arme der Nacht zu geben, um dann einen neuen Tag entgegen zu sehen. Ein neuer Tag ohne dich. Und zwar nur der erste von vielen. Bald würde es eine Woche ohne dich sein. Dann ein Monat. Ein Jahr. Ein Jahrzehnt. Und schließlich ein Leben. Ich vergrub meinen Kopf in meinen Arme, als ob das die Gedanken abhalten könnte, welche mich so quälten. Als ob ich dadurch gerettet werden könnte. Dein Lächeln blitze durch meinen Kopf. So lebensecht. Beinahe hätte ich meine Finger ausgestreckt um deine Lippen zu berühren. Dein Lachen hallte in meinem Kopf wieder. Doch du warst nicht da. Nie wieder würde ich dein fröhliches Lachen hören, deine sanften Augen auf mir spüren, deine Finger würden nie mehr sacht meinen Arm berühren, wenn ich mir Sorgen machte oder wütend würde. Nie wieder könnte ich dich in den Arm nehmen um dich zu trösten. Keine weitere Tränen würden deine Augen je wieder verlassen. In dieser Nacht klammerte ich mich an dein Lieblingskleid. Es trug deinen Duft tief in sich, jedoch verschwand auch dieser nach einigen Wochen. Dein Duft spendete mir in dieser Zeit Trost und riss mir gleichzeitig das Herz aus meiner Brust und zerstieß es in tausend Splitter.

„Hey“ ein leises Flüstern riss mich in die Realität zurück. Träge öffnete ich die Augen und sah in verschlafene blaue Augen. Nicht deine. „Mh?“ fragte ich. „Du hast wieder angefangen zu schreien“, antwortete sie und drehte sich wieder auf die andere Seite um weiter zu schlafen. Ich legte meinen Kopf aufs Kissen und starrte die Decke an. 4 Jahre. Wie konntest du es wagen mich alleine zu lassen? Wie konntest du nur? Mich in dieser grausamen Welt zurück lassen, ohne dein tröstendes Lächeln? Schon lange hatte ich aufgehört um dich zu weinen. Aber nie würde ich aufhören an dich zu denken. Nie würde ich aufhören dich zu lieben oder gar anfangen dich zu vergessen. Wie denn nur? Deine Liebe war so lange das Einzige was zählte. Ich weiß wir waren nicht für einander bestimmt. Aber es war schön daran zu glauben. Zu hoffen. Ich hatte so sehr gehofft. Meine ganze Energie in diese eine Hoffnung gesetzt, die am Ende mein Leben zerstört hatte. Vorsichtig sah ich zur Seite. Du hättest sie gemocht. Sie kümmert sich gut um mich. Auch wenn es nicht einfach ist mit mir. Besonders in den Nächten, in denen ich meine Gedanken nicht im Zaum halten kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sie je begreifen wird, dass ich sie nie so lieben kann, wie sie mich liebt, oder wie unsere Kinder sie lieben. Ja. Ich hab jetzt endlich Kinder. Ich suche jeden Tag etwas von dir in ihnen. Aber ich werde nicht fündig. Wie denn auch? Sie haben auch blaue Augen und braune Haare, aber es steckt nichts von dir in ihnen. Erinnerst du dich, wie schlimm es war, als wir unsere Emma verloren haben? Noch bevor wir sie zu Gesicht bekamen? Damals war es noch nicht so schlimm. Wir hatten einander. Aber jetzt? Wie sehr mich ein Kind von dir doch trösten würde. Das rede ich mir wenigstens ein. Daran halte ich fest, auch wenn das nichts ändern wird.

Weißt du woran ich viel denken muss? An deine letzten Worte. „Gib nicht auf. Du schaffst das. Tag für Tag.“ Und weißt du was? Du hast recht. Ich schaffe es. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Minute für Minute. Aber du hast mir nicht gesagt, wie schwer das sein wird. Du hast nicht gesagt, dass nach den Tagen, Wochen folgten und dann Monate und Jahre. Du hast mir nicht gesagt, dass es sich anfühlt als würde mein Herz jeden Moment zerreißen. Jeden Tag aufs neue. Du hast mir nie gesagt, wie schlimm es werden würde. Ich wollte dich ersetzen. Den Schmerz nur etwas lindern. Damit es besser werden kann. Warum kann ich nicht unser chaotischen imperfektes Leben zurück haben? Warum bist du weg? Warum musstest du gehen? Sacht decke ich mich auf und schwinge meine Beine aus dem Bett. Vorsichtig werfe ich mir die Sachen vom gestrigen Tag über und verlasse das Haus. Ich folge der Nacht. Die Straßenlaternen beleuchten spärlich unsere Straße. Mitten auf der Straße bleibe ich stehen. Es ist so ruhig. Beinahe friedlich. Doch in meinem Kopf schreit es. Der Schmerz hallt wieder und lässt mich spüren, dass ich noch am Leben bin. Ich bin noch da. Ich lebe noch. Ich starre das Auto an, welches auf mich zukommt. Ich hoffe, dass es mich übersieht. Dass alles dadurch aufhört. Aber der Autofahrer wird langsamer und hält direkt neben mir. Doch noch bevor er etwas sagen kann laufe ich los. Ich laufe solange, bis ich bei unserer Brücke ankomme. Erinnerst du dich? Wir suchten immer die schönsten Steine bei unseren Ausflügen und schmissen sie dann ins Wasser, während wir uns unsere Zukunft ausmalten und uns die schönsten Dinge wünschten. Meine Hand umschloss unseren letzten Stein. Er hat die Form eines Sterns. Deshalb wolltest du ihn für unseren letzten Wunsch aufheben. Und nun war es endlich soweit. Ich wünschte mir zum letzten Mal etwas. Für uns beide. Ich hob die Hand an meinen Mund und flüsterte meinen letzten Wunsch. „Bitte lass mich dich wieder sehen.“


Louis Tomlinson – ein unglaublicher Künstler, meiner Meinung nach – hat vor ein paar Tagen seine neue Single „Two of us“ veröffentlicht. Den ganzen Tag lief das Lied rauf und runter, sodass meine Familie irgendwann die Nase voll davon hatte. Das Lied hat mich so bewegt und inspiriert, dass ich einfach diese Kurzgeschichte schreiben musste. Das Lied hat eine etwas positivere Message. Es ist seiner verstorbenen Mutter gewidmet, der er sozusagen sein letztes Tribut zahlt indem er dieses Leben für sie beide lebt.

Und hiermit verabschiede ich mich und bis zum nächsten Mal!

„Don´t be lasagne!“


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